Das Planetenschloss 33

Das Planetenschloss 33

Bevor er am Boden aufschlug, bevor das Kind, bevor die Mecha am Boden aufschlug, geschah etwas mit Raum und Zeit, und alle drei standen wieder, standen zum ersten Mal , hatten nie woanders gestanden, betraten gerade jetzt die unterirdischen Gänge.

Sie tasteten sich voran, analysierten mithilfe von Seondeoks Sensoren die Umgebung, stießen auf eine Anomalie, auf altes Wasser, auf blinde Flecken, tasteten sich voran, und Kind und Mecha sprachen davon, sich des Ritters zu entledigen. Jemand oder etwas folgte ihnen. Am Abgrund angekommen bemerkten sie, dass sie keine Möglichkeit mehr hatten, die Tiefe und Ferne zu ermessen. Blind machten sie sich an den Abstieg, nur durch Seile aneinandergeknüpft, und das Kind sprang, die Mecha fiel, der alte Ritter stieß sich ab und verlor sich in Erinnerungen an die Seelen, die er gesammelt hatte. Und bevor er am Boden aufschlug, bevor das Kind, bevor die Mecha am Boden aufschlug, betraten alle gerade jetzt die unterirdischen Gänge.

Und weil es gerade jetzt geschah, war niemandem von ihnen bewusst, dass es einmal anders gewesen war. Auf den windumtosten Höhen landeten sie federbewehrt, das Küken, der Metallvogel und die weise Eule, und trudelten durch die Tunnel, bevor sie bemerkten, dass ihre Ultraschallsensoren versagten, dass altes Gestein und eisige Höhen drohten. Jemand oder etwas folgte ihnen, als sie blind und taub die Schächte hinaufrasten, nur durch schwache telepathische Bande aneinander geknüpft, und als auch die Eule sich dem Auftrieb überließ, geschah etwas mit Zeit und Raum, und gerade jetzt

Gerade jetzt: Ein Quallenwesen an der Mündung eines kühleren Stroms, zwei weitere Knospungen, die es selbst waren und auch wieder nicht, und die eine Lichtzelle, die sie sich alle teilten, empfing nichts mehr, und untereinander sprachen die drei Stadien eines Wesens darüber, wer abzutöten sei, und jemand oder etwas folgte ihnen, und sie verknöcherten der Reihe nach und verloren sich in Erinnerungen an die Zyklen, die sie durchlaufen hatten, seit die Meere des Planeten sich so weit heruntergekühlt hatten, dass ihr Leben möglich geworden war.

Gerade jetzt: Ein Mann, mit hochgezogenen Schultern gegen den Wind, eine Frau an seiner Hand, ein Kind hüpft vorneweg. Sie wissen nicht weiter. Soll man das Kind fortschicken, zurücklassen, sich selbst überlassen? Die Not folgt ihnen wie ein Schatten. Es ist nicht ihr Wille. Es ist der Krieg, die Armut, der Hunger. Es ist nicht ihr Krieg. Und doch haben sie so viel gesehen, und müssen es immer und immer wieder durchgehen, die Toten, die Verlorenen, die verlorenen Träume. Einer nach dem anderen stürzen sie in die gnädige Nacht und dürfen von etwas anderem träumen, und das Kind schlummert zuletzt ein und zuckt, kaum unter der heißen Decke, während ihm das Hirn vorgaukelt, es sei ein Roboter mit menschlichem Verstand oder ein Ritter der Arthussage mit Zaubergaben.

Gerade jetzt: Ein Schiff aus den Tiefen der Schwärze zwischen den Sternen, an Bord Tausende im Kyroschlaf, und der Bordcomputer registriert, dass im Raum-Zeit-Bereich um sie herum keine Messung mehr erfolgen kann. Unter Abwägung aller Risiken, durchgerechnet anhand unzähliger Modelle, entscheidet er auf Weiterflug, und wägt im Hintergrund mit einem Subsystem, das er nicht einmal selbst kennt, ab, welche der Schlafenden im Notfall von der Lebenserhaltung zu trennen wären. Als Zeit und Raum durcheinandergeraten, weil im Nichts ein blinder Gott sich regt, verlischt erst ein Licht, dann noch eins, dann ein drittes über den Sälen, in denen je Hunderte auf die Erweckung warten, und jemand oder etwas folgt dem Schiff auf dem Kurs ins Ungewisse, den es fortsetzen wird, bis Umgebungsbedingungen erreicht sind, die denjenigen der Abflugumgebung gleichen.

Gerade jetzt: Ein Kind, Ruti, eine Mecha, Sindjan, und eine Kwan-Fürstin, Herontanur, stehen in der Finsternis und beratschlagen über das Holgramm, das zwischen ihnen in der Luft hängt. Altes Wasser erwartet sie, darin eine Lebensform, die nur feindlich gesonnen sein kann. Man entscheidet auf Weitergehen. Jemand oder etwas folgt ihnen. Sie erreichen die Senke mit dem alten Wasser. Ein Kampf entbrennt mit dem blinden Ding voller Mäuler und Flossen. Laser zucken, das ist Sindjan. Das Kind schwebt im Wasser, als etwas von ihm Besitz ergreift, das es als „den Ton“ kennt, das Vermächtnis einer alten Spezies von Pflanzenwesen auf diesem Planeten, die abertausende von Saatzyklen die Sphärenharmonie studiert haben. Herontanur sendet Welle um Welle von Kwan-Stößen. Schließlich ist das Wesen besiegt.

Herontanur sendet telepathische Fragen an die Mecha. Wie lange können sie es noch riskieren, das unberechenbare Kind mit dem Wesenskern des Tons mitzunehmen? Wann, wie soll man es töten und dem Seelenvorrat im Speicher der Mecha einverleiben?

Es ist Lori, die den drei folgt. Aus dem Dunkel greift Lori nach dem Kind, umfasst Stirn und Kehle, und tötet es mit einem Ruck. Lori greift nach dem Ton und hat ihn auch. Leise summt Lori, lässt den Ton anschwellen, und übernimmt den Speicher, die Steuerung der Mecha. Sie ist kurz alles, was darin ist, und stößt mit all diesen Händen und all diesen Organen zu, als Herontanur am Rand des Abgrunds steht. Noch bevor die Kwan-Fürstin am Boden aufschlägt, ist das Kind, ist Lori, schon wieder

Gerade jetzt: Lori sinkt zu Boden und setzt in absoluter Schwärze auf. Dies ist der Boden des Abgrunds, zu dem kein Licht mehr vordringt. Seondeok ist bereits da. Sie zirpt und misst, was sie gefangen und getragen hat. In dieser Zeit-Raum-Linie ist keine Spur mehr davon vorhanden. Herr Terramar versinkt bis zu den Knöcheln im Staub und spürt nur durch das Kwan die Anwesenheit der anderen. Netimi ist die letzte, die bei den Gefährten landet. Als Einzige erkennt sie mithilfe des Erudit, dass alle vier den Sturz, das Schweben überlebt haben. Sie ahnt nichts von der Spleißung im Zeitraum, aber sie spürt, dass mit Lori etwas nicht stimmt. Sie ist mehr geworden, aus dem Nichts, und das kann nicht sein.

Netimi streckt die Erudit-Fühler aus und klopft an der Kwan-Hülle des alten Ritters an. Wie lange können sie es sich noch leisten, das Kind mitzunehmen, das aus allen Linien der Kwan-Vielfalt Kräfte sammelt? Wie lange, fragt der Ritter zurück, werden sie noch auf diese Kräfte verzichten können?

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