Das Planetenschloss 18

Das Planetenschloss 18

Feurige Strahlen brachen aus Loris Augen. Das Gesicht des Engels huschte beiseite, und eine Explosion schleuderte glühendes Metall durch den dunklen Raum. Im Funkenregen erkannten Herr Terramar und Seondeok Augen und Mund des Engels, die, verfolgt von weiteren Schüssen aus Loris Augen, über die Decke sprangen wie Steine über einen See.

Ritter und Mecha rissen die Arme hoch. Brüllendes Geschützfeuer der Mecha zerfetzte die Ölwesen. Ihre schrillen Schreie mischten sich unter die peitschenden Schüsse und das Zischen von Loris Flammenstößen. Schwarzer Schleim spritzte in alle Richtungen und bedeckte Loris schwebenden Körper. Herr Terramar ließ zum wiederholten Mal einen Wirbel zwischen den Handflächen entstehen, und schleuderte ihn dieses Mal dem Feind entgegen, als mit einem tiefen Aufstöhnen, der den Boden erbeben ließ, die Wurzel der Ölwesen aus dem Loch platzte.

Es war ein zäher, irisierender Klumpen, der sich mit Pseudopodien über den gezackten Rand der Öffnung wuchtete. Er holte mit Dutzenden Ärmchen aus, als ihn der Energiestoß des Kwan-Ritters traf. Der Schleimpropf rutschte nach hinten und klatschte gegen die Wand. Auch Loris schwebender Körper wurde von Herrn Terramars Angriff getroffen und prallte hart an die Decke. Die unablässig feuernden Augen beharkten die zuckenden Überreste der singenden Rüssel, die sich aus dem Schleim vom Grund des Lochs erhoben hatten. Köpfchen mit aufgerissenen Mäulern spratzten durch die Luft. Der Engel, nun nicht länger von Loris feurigen Augen verfolgt, streckte nun den ganzen Rumpf aus der Decke, kreiste umher wie ein Geschützturm, und spie Phosphorgeschosse, die Lori getroffen hätten, wäre nicht Seondeok mit heulenden Düsen herangesaust, um den Körper des Kindes im letzten Augenblick aus der Schusslinie zu reißen.

Die Mecha wich dem unablässigen Bombardement des Engels aus, trudelte, mit Lori im Arm, um die eigene Achse, prallte gegen die Wand, schrammte über den Blob, riss sich fädenziehend mit einem Aufkreischen der Schubdüsen los, und schlidderte rücklings über den Boden, direkt auf das Loch zu. Der Engel folgte ihrem Weg mit einer Spur flackernder Geschosse, verwaschen wie im Sucher eines Nachtsichtgeräts. Sie durchsiebten den an der Wand klebenden Blob. Aus den Einschusslöchern sprühte grünes Feuer. Der Blob heulte auf und wälzte sich brennend auf unzähligen Beinchen voran. Ein beißender Geruch nach heißem Gummi erfüllten den Raum. Schwerer Rauch füllte die kleine Kammer.

„Seondeok! Runter!“, würgte Herr Terramar hervor. Er hustete, spuckte, stieß sich vom Boden ab, sprang, wie an den Fäden unsichtbarer Bühnenhelfer in die Höhe gezogen, über den heranrollenden Blob hinweg, geriet ins Schlingern, als das grüne Feuer den Saum seines Umhangs erfasste, und stürzte kopfüber in das Loch, in dem Seondeok mit dem leblosen Kind bereits verschwunden war.

Im Sturz durch den schleimverschmierten Schacht überschlug er sich, sammelte wabernde Luft zwischen den Handflächen, und kam unten, gebremst von einem Luftkissen aus Kwan-Energie auf. Seondeok stand gebückt im dem Gang, der, anders als die zweckmäßigen Flure über ihnen, ausgefressen und mit organischem Material verkleidet war, das im Schein des grünen Feuers von oben blauviolett glänzte: ein mit Säuren und Ausscheidungen in Kunststoff gefräster Korallengang, gezackt, löchrig und voller stinkender Schatten.

Ritter und Mecha warfen sich einen kurzen Blick zu, und wurden dann fast von den Beinen gerissen, als eine Luftmauer den Schacht hinunterfegte. Grünbrennder Schwarzschlick tropfte in langen Fäden hinterher, die Rillen in die Schachwand fraßen und zischende Krater im Boden aufwarfen. Sterbend hatte der Blob das Loch im oberen Raum verstopft. Herr Terramar sprang beiseite, um dem heißen Giftregen auszuweichen, spähte nach oben und warf sich dann herum, die Mecha am Bein zerrend, als könne er die Kampfmaschine wirklich mitziehen. „Der Engel! Lauf!“

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